Stabil auf dem Surfboard
Gleichgewicht für Energie
Ich vergleiche das gerne mit einem Surfboard, wenn man stabil und sicher auf dem Board steht, macht es einem nichts aus, wenn das Wasser unruhig wird und sich Wogen oder gar Wellen bilden. Man ist in der Lage sich durch das Gewässer zu steuern und die Wellen zu surfen. Jedoch, wenn man unsicher auf dem Board steht, und es kommen Wogen oder Wellen (die berühmten kleinen und großen Herausforderungen im Leben) ist es sehr schwer das Gleichgewicht zu halten. Diese Instabilität ist zum einen kein gutes Gefühl und zum anderen kostet es Unmengen an Energie.

Das ist oft der Punkt, an dem Menschen sich ausgelaugt und unzufrieden fühlen und das Leben nur noch als anstrengend wahrgenommen wird. Das heißt, wenn wir viel Energie für innere Belastungen verbrauchen, haben wir nur wenig Energie für die Herausforderungen im Außen, die das Leben unweigerlich mit sich bringt.
Energie sparen mit IFS
Bewusst mit Belastungen umgehen
Hier kommt Self-Leadership/IFS ins Spiel, dass der Ursache für die inneren Belastungen auf den Grund geht, denn das sind oft energieraubende Verhaltensmechanismen, die aufgrund von Prägungen (Erfahrungen im Leben) automatisch im Unterbewusstsein ablaufen. Mit Self-Leadership/IFS – dem inneren Dialog – bringen wir diesen kräftezehrenden Ablauf ins Bewusstsein und erkennen und verstehen, warum diese Schleifen sich über die Zeit entwickelt haben. Die Person bekommt wieder Klarheit und Zugriff auf das eigene vielfältige Potential (auch inneres Team genannt) und steht wieder stabil auf dem Board. Sie fällt nicht mehr Verhaltensmechanismen (auch inneren Protektoren genannt) zum Opfer, die sie im Flucht-, Kampf- oder Ohnmachtsmodus blockieren oder überdrehen lassen, was immer zur Instabilität auf dem Board führt.
Ich gebe hierzu mal ein Beispiel. Eine Führungskraft kam mit dem Anliegen, dass er seine Mitarbeiter und Kinder immer mehr anschreit und diese cholerische Person nicht mehr möchte. Wir lernten im Gespräch seinen Ehrgeiz kennen, der besser gesagt ein falscher Ehrgeiz war, er ließ ihn in eine energieraubende Workaholic-Schleife verfallen. Wie wir weiter im inneren Dialog erfuhren, lag dieser Verhaltensschleife ein Glaubenssatz „nicht gut genug zu sein“ zu Grunde. Neben dem, dass er sich aufarbeitete und seine Resilienz immer geringer wurde, trat die innere Kritik hervor und setzte ihn unter Druck, dass er seiner Vaterrolle und seiner Partnerrolle nicht gerecht wird – und schon ist ein innerer Konflikt entfacht, der viel Wut mit sich bringt. Diese Wut bekamen seine Mitarbeiter und Kinder zu spüren. Er war nicht mehr Herr seiner Lage. Das innere Gleichgewicht war aus dem Lot.
In dem Fall versuchte die Kritik den falschen Ehrgeiz zu stoppen und die daraus resultierende Wut wütete im Innen und im Außen. In so einem energieraubenden Zustand ist man fern von einem gesunden Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, was zur Instabilität auf dem Board führt.
Sich-seiner-selbst-bewusst-werden
Glaubenssätze mit Ballastgefühl überwinden
Der Klient wurde durch die Coaching Sessions sich-seiner-selbst-bewusst. Es half ihm zu erkennen, dass der falsche Ehrgeiz nur ein Teil seiner Person war und darauf bedacht war, ihm das Gefühl des nicht gut genug seins durch das permanente Arbeiten zu stillen. Was nicht möglich ist, denn ein Glaubenssatz ist ein Fass ohne Boden. Wir fanden im Gespräch heraus, woher der Glaubenssatz kam, und mein Klient verstand in der Retrospektive, dass in seiner Kindheit nur Leistung zählte. Erst wenn er Leistung brachte, wurde er gesehen und gehört. Diese Haltung der Eltern kreierte den Protektor falscher Ehrgeiz, d.h. die Person identifizierte sich nur über den Ehrgeiz. Kein Wunder, wenn man anders auch nicht sichtbar war.
Eine natürliche Reaktion eines Kindes, das spürt, dass es nicht allein nur für seine Person gesehen und geliebt wird, sondern vermeintlich nur für die Leistung. Eltern wussten es oft nicht besser Liebe zu zeigen und haben es oft selbst nie erlebt. Auch wenn alle materiellen Grundbedürfnisse in der Kindheit zur Verfügung standen und Führsorge seitens der Eltern gelebt wurde, ist das noch nicht die emotionale Verbindung (Liebe), die ein Kind braucht, um ein gesundes Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu entwickeln. Sehr empfehlenswert zu diesem Thema das Buch von Lindsay C.Gibson, Kalte Kindheit. Der Titel ist im deutschen unglücklich gewählt. Im englischen heißt der Titel Adult Children of Emmotionally Immature Parents, das trifft den Inhalt des Buchs viel besser. Da es um die emotionale Unreife der Eltern geht und nicht um eine kalte Kindheit per se. Das ist gerade das subtile daran, dass eine vermeintlich gut gemeinte Haltung der Eltern, Lehrer oder Geschwister etc. zu starken ungesunden Reaktionen bis ins erwachsene Leben führen kann.
Viele Gefühle fangen an sich in der Kindheit aufzustauen, sie werden zu Ballast, da Gefühle oft nicht anerkannt, sondern bestraft oder belächelt wurden. Das Kind lernt diese besser wegzudrücken und entwickelt Glaubenssätze, was dazu führt, dass unverarbeitete Gefühle (Ballast/Stress) im Hier und Jetzt getriggert werden. Wir erleben damit nicht nur die eine Situation im Hier und Jetzt, sondern durchleben mehrere Situationen auf einmal – das führt zur berühmten Überreaktion und man weiß oft nicht warum.
Mein Klient konnte mit Self-Leadership/IFS den Ballast der Vergangenheit verstehen und damit loslassen, was dazu führte, dass er wieder Herr seiner Lage wurde, sein Arbeitspensum mit einem guten Gefühl anpasste und im Hier und Jetzt seine Zeit und Energie unter seinen verschiedenen Rollen (Business, Vater, Partner etc.) bewusst aufteilen konnte. Er spürte mehr Klarheit und Gelassenheit und war im Umgang mit sich und anderen wertschätzend. So fühlte sich das Surfen durchs Leben wieder gut an, der Stand auf dem Board war wieder stabil.
Es gibt vielerlei Verhaltensmuster oder Gedankenschleifen, die Reaktionsmuster auf Erziehungsmuster sind, der falsche Ehrgeiz ist einer davon. Es kann genauso gut ein falsches Pflichtbewusstsein sein, das keine Grenzen setzen kann und zu allem und jedem Ja sagt, um zu gefallen, dazu zugehören, gut genug zu sein. Das sind unsere Grundbedürfnisse, nach denen wir täglich streben. Wenn wir nach Maß handeln (situativ & individuell), müssen wir nicht überall dazugehören oder jedem gefallen, wir wählen und setzen bewusst Grenzen. Jedoch ein falsches Pflichtbewusstsein kennt kein Maß und kein Nein und auch das führt zur Erschöpfung und Frust im System. Essen, Trinken zu viel Sport können auch Reaktionsmechanismen sein, um von innerem Stress abzulenken. Leider führt jeder Protektor zu einem Teufelskreis, denn die Enttäuschung über zu viel Chips, Alkohol oder Medikamente, da vielleicht ohne Schmerzmittel Sport nicht mehr möglich ist, zahlt wieder in das Stress-Fass ein. Self-Leadership/IFS kann diesen Teufelskreisen mit Wertschätzung Einhalt gebieten.
Self-Leadership
IFS ist ein Geschenk
Self-Leadership/IFS ist ein Geschenk für jeden, der es erleben darf. Es funktioniert nicht nur in Einzelsitzungen, sondern ich setze es auch in Firmen ein, um Teams zu helfen miteinander produktiv und wertschätzend zu arbeiten. Ein wettschätzender Umgang hört sich in der Theorie einfach an, aber in der Praxis ist das gar nicht so leicht, da wir alle unsere Prägungen und Glaubenssätze in uns tragen, die durch Trigger schnell zu Konflikten kommen können. Es beginnt mit abwertender Gestik, Augen verdrehen im Meeting über die Aussage des anderen, bis hin zu sich belehrend oder verurteilend zu äußern oder gar den Druck zu spüren andere von der eigenen Expertise überzeugen zu müssen. Die Gestik, Ton oder Wortwahl basieren oft auf dem Gefühl nicht gut genug zu sein oder der Umgang ist vertraut und man kennt es nicht anders. Vertraut heißt nicht, dass es einem und guttut. Im Gegenteil, deshalb entstehen die Konflikte.
Wenn es nicht so wäre, wäre ein herzlicher und wertschätzender Umgang immer und überall normal – dem ist leider nicht so. Self-Leadership hat die Tools dazu und es ist für mich immer wieder erstaunlich wie schnell diese wirken und die Menschen in ein wertschätzendes Miteinander verfallen und sich dabei sehr wohlfühlen. Das zeigt den natürlichen Ursprung von Self-Leadership/IFS. Wir werden mit dem inneren Team geboren, verlieren aber durch gewisse Reaktionsmechanismen auf Erziehungsmuster den Bezug zu uns selbst. Zum Beispiel, wenn eigene Bedürfnisse nicht zählen oder Emotionen gelabelt oder abgesprochen wurden, damit fehlen uns wichtige Signale und Impulse im Leben. Der Umgang wird dann sehr schnell verurteilend, beschämend und beleidigend, da wir versuchen durch Protektoren/Ego uns sicher zu fühlen. Jedoch trennt das die Verbindung zu anderen, es besteht kein Miteinander mehr, kein Verstehen wollen, sondern Flucht oder Kampfmodus und da geht es nur ums Gewinnen. Was wir brauchen, ist eine wohlwollende Arbeitsatmosphäre, die zielführend ist, sonst dreht man sich mit destruktiven Diskussionen nur im Kreis, was viel Geld und Zeit kostet – und das hat keine Firma.
Ihr könnt das mal probieren, nehmt mal eine Situation, in der es zu einem Konflikt kam und schlüsselt diese mal folgendermaßen auf. Wer was war der Stressor in der Situation? Was war dein Trigger? Was waren die Fakten und welche Emotionen kamen in Spiel auf beiden Seiten? Was waren die Reaktionsmuster eines jeden? Allein dieses Bewusstsein zu schaffen, bringt Abstand und mehr Klarheit den Stresszyklus zu beenden. Das heißt, ihr kommt raus aus Flucht und Kampfmodus, denn da geht es ums Gewinnen und nicht mehr um das gegenseitige Verstehen. Je mehr Verständnis jedoch füreinander sich entfacht, desto mehr ist jeder in seiner Mitte und hat Zugriff zu seinem ganzen Potential, jeder ist authentisch und gibt nicht vor jemand zu sein (Ego/Protektor) hier entsteht das Miteinander durch gegenseitiges Interesse und die Energie wird genutzt gemeinsam Lösungen zu finden und nicht sich gegenseitig zu besiegen.
Freude im Gesicht
Coaching mit IFS/Self-Leadership
Zusammenfassend möchte ich sage, dass es mir unheimlich Spaß macht mit Menschen zu arbeiten. Wenn sie ihre Geschichte anfangen zu verstehen und damit stressige Verhaltensmuster ablegen können oder Gruppen plötzlich wie selbstverständlich zielorientiert arbeiten mit einem wertschätzenden Umgang. Die Freude und Zufriedenheit in den Gesichtern zu sehen, sind Gänsehautmomente für mich. Self-Leadership im Coaching ist präventiv, es hilft vorzubeugen, dass Verhaltensmuster uns nicht frustrieren oder über kurz oder lang krank machen. Jeder hat es verdient IFS/Self-Leadership zu erfahren, es bringt uns zurück zu uns selbst, zu der wertvollen Person, die wir von Stunde eins an sind. An dieser Stelle liegt mir am Herzen das Buch von Dr. Richard Schwartz zu empfehlen, Kein Teil von mir ist schlecht. Es gibt einen schönen Einblick in das eigene innere Team, wie es aufgestellt ist und was es braucht.
Ich kam auch zu IFS/Self-Leadership durch eine anhaltende Herausforderung im Leben, ich konnte nichts ändern, nur versuchen die Wellen zu surfen, das ist mir Dank IFS gelungen. Nachdem ich es als Klientin erlebt habe, war ich so fasziniert von der Wirkung und dem Potential, dass ich die vollständige Ausbildung zum IFS-Coach in den USA gemacht habe, mitunter Level 2 bei dem Gründer Dr. Richard Schwartz. Ich bin ihm für die IFS-Entdeckung und das Erlebnis ihn als Trainer gehabt zu haben sehr dankbar. Mein Wunsch ist es möglichst viele Menschen, ob privat oder beruflich, in den Genuss von IFS kommen zu lassen. Es verändert – zum Guten und das Schöne daran ist, dafür ist es nie zu spät.