IFS steht für Internal Family Systems (deutsch: System der Inneren Familie) und hat seine Ursprünge in der Psychotherapie. Entwickelt wurde IFS vom amerikanischen Psychologen Dr. Richard Schwartz. Die Methode geht davon aus, dass jeder Mensch in sich eine „Innere Familie” hat – verschiedene Teilpersönlichkeiten, die miteinander interagieren.
Im Zentrum des IFS-Modells steht das Konzept des „Selbst“. Das Selbst ist ein unzerstörbarer, weiser und mitfühlender Wesenskern, der in jedem existiert. Er ist verbunden mit Qualitäten wie Zuversicht, Interesse, Mut, Kreativität und Klarheit. Wenn das Selbst die Führung übernimmt, kann es die verschiedenen Persönlichkeitsanteile leiten und harmonisieren.
Durch verletzende Erfahrungen entwickeln manche Teile beschützendes Verhalten (siehe „Manager” und „Feuerbekämpfer”), das nicht mehr ihrem wahren Wesen entspricht. Diese Rollen können extrem ausgeprägt sein. Grundlegend in Arbeit mit dem System der inneren Familile ist die Vorstellung, dass sämtliche Persönlichkeitsanteile gute Absichten haben. Sie versuchen, auf Basis ihres erlernten Verhaltens die Sicherheit des Menschen zu gewährleisten.
Veränderung und Heilung geschehen, wenn Teile vom Selbst in ihrer positiven Absicht wahrgenommen werden. Indem sich das Selbst mit offenem Interesse den inneren Anteilen zuwendet und diese in vollem Umfang annimmt, ist Transformation möglich. Sie haben dann die Möglichkeit, wieder zu ihren ursprünglichen, gesunden Verhaltensweisen zurückzukehren.
In einem optimal funktionierenden System agiert das Selbst als Führung, die das System der inneren Persönlichkeitsanteile leitet. Das IFS- Modell weist dem Selbst die Qualitäten der 8 C’s zu:
Die Fähigkeit, ruhig und geerdet zu bleiben, selbst in stressigen Situationen. Ruhe ermöglicht klares Denken und hilft, innere Teile zu beruhigen, die sich ängstlich oder überwältigt fühlen.
Diese Qualität fördert Offenheit und das aufrichtige Verlangen, die inneren Teile ohne Urteil zu verstehen. Neugier ermutigt dazu, die Gefühle und Motivationen der verschiedenen inneren Teile zu erkunden.
Klarheit ist die Fähigkeit, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind, ohne dass Emotionen wie Angst oder Wut die Sicht trüben. Sie hilft dabei, die innere Welt mit Einsicht zu durchdringen.
Mitgefühl bedeutet, den inneren Teilen, insbesondere denen, die verletzt oder in Schwierigkeiten sind, Wärme, Freundlichkeit und Verständnis zu schenken. Es ist die Grundlage für Entlastung.
Selbstvertrauen entsteht aus dem Wissen, dass das Selbst die innere Systemführung und Heilung übernehmen kann. Es beinhaltet das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Emotionen und innere Teile fürsorglich zu begleiten.
Mut bedeutet, bereit zu sein, sich schwierigen Emotionen oder inneren Teilen zu stellen, auch wenn es unangenehm ist. Es ist die Stärke, sich dem zu stellen, was wir normalerweise vermeiden.
Diese Qualität beinhaltet die Fähigkeit, neue Lösungen oder Perspektiven zu finden. Kreativität hilft dabei, innere Konflikte zu lösen oder verletzte Teile zu versorgen.
Ein Gefühl der Verbundenheit mit allen Anteilen und anderen Menschen spüren oder wünschen. Gewahrsein, dass alles Leben miteinander verbunden ist.
Das IFS-Modell unterscheidet zwischen verschiedenen Persönlichkeitsanteilen, die alle eine wichtige Rolle im inneren System eines Menschen spielen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen den Beschützern, die sich in Manager und Feuerbekämpfer unterteilen, und den Verbannten.
Manager versuchen proaktiv, potenziell schmerzhafte Gefühle im Leben zu vermeiden. Manager-Anteile bringen uns unter anderem dazu, dass wir uns besonders angepasst verhalten. Häufig lassen sie uns freundlich und aufmerksam reagieren und Aufgaben schnell und sorgfältig erledigen. Andere Manager-Anteile lassen uns Konflikte vermeiden oder treiben uns zu ständiger Selbst-Optimierung an. Kurzum, Manager sorgen dafür, dass wir uns in der Gesellschaft zurechtfinden und anerkannt werden.
Feuerbekämpfer treten in Aktion, wenn sie befürchten, dass alte, schmerzhafte Erfahrungen sich wiederholen. Sie versuchen, unangenehme Gefühle abzuwehren oder zu betäuben. Feuerbekämpfer können sich unter anderem in Form von Wutanfällen, Dissoziation, Süchten oder in selbstverletzendem Verhalten ausdrücken.
Verbannte sind Persönlichkeitsanteile, deren traumatisch verursachte und oft überwältigenden Gefühle aufgrund ihrer Intensität im aktuellen Leben verdrängt werden. Sie tragen Lasten wie Schuld und Scham, Verzweiflung und Hilflosigkeit, Trauer und Wut. Im IFS-Prozess werden verbannte Persönlichkeitsanteile bewusst und können durch die heilsame Beziehung mit dem Selbst von ihren Lasten befreit werden. Kreativität, Leichtigkeit, Humor und Lebensfreude kehren ins Leben zurück.
IFS respektiert die innere Ökologie des Einzelnen und größerer sozialer Systeme.
Das Selbst wird als weise, kompetent und unverletzt betrachtet – erlernte Fähigkeiten werden Teil des gesunden Bewältigungssystems.
Widerstand wird als wertvoller Hinweis auf zentrale Themen gesehen und ermöglicht ein souveränes Arbeiten mit Ängsten und Kontrollbedürfnissen.
IFS lässt sich auf individuelle, interpersonale und gesellschaftliche Themen anwenden.
IFS hilft, schmerzhafte Erinnerungen ohne Retraumatisierung zu verarbeiten.
IFS bietet eine verlässliche Methode, um Gefühle und Stimmungen nachhaltig zu regulieren.
In den USA verbreitet sich IFS seit Jahren bei PsychotherapeutInnen und BeraterInnen, denen es um mehr Selbstführung ihrer Klienten geht. Die Substance Abuse and Mental Health Services Administration im U.S. Department of Health and Human Services hat IFS 2015 als evidenzbasiertes Verfahren anerkannt und seine Wirksamkeit in fünf Bereichen festgestellt: Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens, von Angst, Depression, körperlicher Gesundheit und persönlicher Resilienz.
In Deutschland sind einige IFS-Fortbildungen von den jeweiligen Landespsychotherapeutenkammer akkreditiert.
Dr. Richard C. Schwartz, der Begründer des Internal Family Systems (IFS)-Modells, promovierte 1980 in Paar- und Familientherapie an der Purdue University. Er arbeitete anschließend an der University of Illinois in Chicago und dem Family Institute der Northwestern University, wo er als außerordentlicher Professor tätig war. Durch seine klinische Arbeit erkannte er, dass Menschen verschiedene innere Anteile in sich tragen, was zur Entwicklung des IFS-Modells führte. Dr. Schwartz ist Autor mehrerer Bücher, darunter „Internal Family Systems Therapy“ und „Introduction to the Internal Family Systems Model“, und Mitglied der American Association for Marriage and Family Therapy.
2000 gründete Dr. Schwartz das Center for Self Leadership, heute IFS Institute, das sich der Weiterentwicklung des IFS-Modells widmet. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Behandlung von Essstörungen, Traumata und Missbrauch. Er bietet weltweit Schulungen an und engagiert sich leidenschaftlich für soziale Themen wie Gewalt, Rassismus und Unterdrückung. Dr. Schwartz ist ein gefragter Redner, geschätzter Lehrer und bekannt für seine warme, einfühlsame Art.
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